regierungsviertel, panodramen und wenig schlaf

Klassischer Blick auf das Paul-Löbe-Haus (Berlin)

Vor fast genau drei Jahren machte ich mich am Morgen gegen 04:00 Uhr auf den Weg zum Regierungsviertel in Berlin, um dort bei schönem Licht ein paar Aufnahmen zu machen. Mit mir im Gepäck hatte ich damals noch meine Diva, die Nikon D800, mein Nikkor 16-35mm und mein Zeiss 135mm f/2.0. Mein Ziel: morgendliche Sonnenstrahlen ausnutzen, das noch ruhige Gewässer der Spree als Spiegel verwenden und Panorama-Fotos mit dem Zeiss 135mm erstellen. Gott war das früh!

Nur einmal mit Profis!

Zu dieser Zeit hatte ich mir gerade als fotografisches Vorbild Matthias Makarinus ausgesucht. In der Fotografie-Szene im Netz ist es in den letzten Jahren etwas still um ihn geworden. Aber es gibt einfach ein paar „Key-Fotografen“, die zu einer bestimmten Stadt, zu einem bestimmten Thema und eben zu einer bestimmten Zeit immer wieder und überall zu finden sind. Dazu gehörte eben auch Matthias. In seinem „Projekt“ PICTUREREPORT macht er in erster Linie tolle Stadtaufnahmen aus Berlin, zuletzt drehte er tolle Zeitraffer-Videos.

Eben zu dieser Zeit spielte ich schon etwas länger mit Langzeitbelichtungen herum und wollte tolle Bilder mit klaren Spiegelungen im Gewässer schießen. Nun fließt Wasser. Einfache Feststellung, jedoch führt diese Erkenntnis dazu, das bei Langzeitbelichtungen von Flüssen selten bis niemals Spiegelungen zu erkennen sind. Und der Grund ist einleuchtend! Die vielen kleinen oder großen Wellen des Flusses überlagern sich während der Langzeitbelichtung und sorgen dafür, dass die Reflexion bzw. das Licht gebrochen wird. Das Resultat ist eine matte Suppe ohne Spiegelung.

Okay, verstanden. Also funktionieren Spiegelungen im Wasser bei Langzeitbelichtungen höchstens im stehenden Gewässer. Aber wie nun die Spiegelung hinbekommen? Habt ihr schon mal tagsüber Bilder vom Paul-Löbe-Haus gemacht und die Spree im Vordergrund gehabt? Hier ist ausreichend viel Schiffsverkehr, dass das Gewässer stets zu unruhig für eine Spiegelung ist. Die Lösung ist denkbar einfach: extrem früh aufstehen und Glück mit dem Bootsverkehr haben. Ihr glaubt gar nicht, wie früh auf der Spree bzw. generell in Berlin schon Bote unterwegs sind und das Wasser verwirbeln. Und wenn ihr dann früh unterwegs seid, ist die Lösung denkbar einfach: ohne Langzeitbelichtung fotografieren. Wenn die Wolken dynamisch werden sollen, müsst ihr eben später im Bildbearbeitungsprogramm eurer Wahl überblenden.

Regierungsviertel mit Fokus Paul-Löbe-Haus (Berlin)Regierungsviertel mit Fokus Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (Berlin)

Die Sache mit den Panodramen

Nachdem das Licht also einigermaßen erträglich war und die ersten Aufnahmen auf der Speicherkarte gesichert waren, setzte ich mein mittlerweile verkauftes Zeiss 135mm f/2.0 auf die Kamera und versuchte mich an hochauflösenden Weitwinkelpanoramen. Theoretisch hätte ich diese Aufnahmen auch mit einem Weitwinkelobjektiv machen können, aber ich wollte einen maximalen Freistellungseffekt (vergleiche Großformatkamera) erzielen. Daher die lange Brennweite und die offene Blende. Die nachstehenden beiden Panorama-Aufnahmen sind beide freihändig entstanden.

Fazit:

  • Um ein vernünftiges Panorama vom Motiv freihändig hinzubekommen, ist enorm viel Konzentration bei der Aufnahme und dem Schwenk gefragt.
  • Es fallen enorme Datenmengen auf Speicherkarte und PC an. Die D800 hing bspw. ständig im Puffer.
  • Die Nachbearbeitung von einem Panorama, welches aus diversesten Bildern mit 36 Megapixeln besteht, dauert selbst bei einem halbwegs aktuellem PC mit Lightroom und Photoshop lange und ist nervig! Alleine das Verschieben des fertigen Panoramas in eine andere Sammlung ist eine Qual.
  • Der Effekt gefällt mir. Jeder muss für sich eine Aufwands-Nutzen-Entscheidung treffen. Wenn ihr wissen wollt, wie das geht, dann schaut zum Beispiel hier. Dort wird die Brenizer Methode erklärt.
  • Beispiele und traumhaft umgesetzt im Flickr-Profil von Borys Las-Opolski.

Für mich war die Erstellung und Bearbeitung also eher ein Panodrama, um den kleinen Wortwitz etwas abzurunden. Trotzdem ganz gelungene Aufnahmen aus Berlin, welche mein persönliches Portfolio abrunden.

Bundeskanzleramt bei Sonnenaufgang (Berlin)Der Berliner Hauptbahnhof aus Richtung Bundeskanzleramt

Nun noch etwas Bewegung

Ich machte mich auf die Socken und schaute mich noch etwas um. Hier ein Foto, dort ein Foto. Aber seht selbst. Nichts spektakuläres. Die Sonne hat mir einfach gut gefallen.

Fotowalk durch die Berliner InnenstadtFotowalk durch die Berliner Innenstadt Fotowalk durch die Berliner Innenstadt Fotowalk durch die Berliner Innenstadt

Klassiker in Berlin

Das nachfolgende Foto ist gegen 07:18 entstanden. Komisch, wenn man dann schon seit drei Stunden unterwegs ist. Eigenartig so früh. Ziemlich leer an einem Sonntag. Auch der Bus fährt nicht so häufig, weshalb die Aufnahme eine kleine Geduldsprobe war. Das Licht war mittlerweile auch schon hell und hart. Die Farbvariante gefiel mir nicht ganz so gut, weshalb ich die farblose Variante gewählt habe.

Spannend ist vor allem das Spiel mit der Belichtungszeit. Da stehst du nun neben der Kamera auf dem Stativ und willst einen fahrenden Bus so fotografieren, dass er zwar verwischt, aber noch immer als Bus erkennbar ist. „Zwei Sekunden kann ich ja mal testen. 3, 2, 1 – los!“ Da ist also der Bus, zwei Aufnahmen gemacht, Bus weg. Auf den Fotos ist der Bus kaum zu kennen, also waren 2 Sekunden wohl zu lang. Mist. Der nächste Bus kommt erst in 20 Minuten. Beschissen fühlt sich sowas an. Und ich war müde. Am Ende dauerte die Aufnahme 1/4 Sekunde (0,25s). Das hängt natürlich auch immer davon ab, wie schnell der Bus unterwegs ist. Ich bin jedenfalls Glücklich mit dem Treffer. Der Bus ist gut zu erkennen und trotzdem strahlt das Bild durch den Effekt Lebendigkeit und Dynamik aus.

Bus vor Siegessäule (Berlin)U-Bahnhof Bundestag mit vorbeifahrendem Zug (Berlin)

Das Abschiedsfoto am U-Bahnhof Bundestag ist dann übrigens nicht mehr an dem Tag aufgenommen worden. Weil es thematisch aber gut zur Serie passt, habe ich es hinzugefügt. Kurzes Geheimnis: Ja, das waren ursprünglich zwei Aufnahmen. ;)

Macht’s gut!

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