wandern durch glen coe und die nevis range

Loch Linnhe (Glen Coe)

Nachdem wir die ersten Berührungsängste mit Schottland überwunden hatten, konnte es mit dem Abenteuer in Glen Coe und der Nevis Range weitergehen. Die unfassbare Naturkulisse würde uns in den nächsten Tagen nass-kalt empfangen; und wir die Region in unsere Herzen schließen. Mit sportlichem Ehrgeiz nahmen wir uns also vor die Highlights der Regionen Glen Coe sowie Nevis Range durch ausgedehnte Wandertouren zu erschließen.

„Wissen ist Macht“, nichts wissen macht aber auch nichts – oder so. Wer den Film „James Bond – Skyfall“ gesehen hat, wird wissen, dass mindestens eine berühmte Szene des Streifens in Schottland gedreht wurde. Was mir nicht sofort klar war: diese Szene wurde in Glen Coe entlang des Glen Etive gedreht, wo wir uns gerade mit unserem Mietwagen befanden. Leider war das Licht nebst spektakulärer Kulisse eher miserabel, weshalb kein ordentliches Foto entstanden ist (alles nur Ausrede, ich weiß). Dennoch bekamen wir direkt zu Beginn unserer Tour einen herrlichen Einblick, bevor wir zum Abend zurück zu unserem Hotel gefahren sind.

14.06., Ankunft

Unser Hotel in North Ballachulish war wirklich prima gelegen, um am Abend einen kurzen fotografischen Ausflug zu einem Ausläufer des Loch Linnhe zu machen. Und wenn ich mich richtig erinnere, sah ich an diesem windigen Abend zum ersten Mal die Abendsonne während meiner Zeit in Schottland. Das war irgendwie ein richtig gutes Gefühl. Zu sehen, wie der Wind die Wolken zum mächtig wirkendem Creag Ghorm trieb und die Sonne mit ihren Strahlen auf dieses Naturschauspiel aufmerksam machte.

Loch Linnhe - auf der rechten Seite North Ballachulish (Glen Coe)
Der Creag Ghorm - bei deutlichem Wind (Glen Coe)
Gebirgskette hinter South Ballachulish (Glen Coe)
Creag Ghorm (Glen Coe)

Ich denke, die bedrohlich stürmische Kulisse, welche mich an dem Abend faszinierte, sollte deutlich geworden sein. Schade nur, dass dieser Abend einer der wenigen bleiben sollte, an dem das Wetter schaurig schön war. Nun galt es aber primär zu entspannen, denn am nächsten Tag wollten wir hoch hinauf. Hoch hinauf auf den höchsten Berg ganz Großbritanniens: dem Ben Nevis. Sportliche 1345 Meter wollten erklommen werden.

15.06., Herausforderung Ben Nevis

Wie so oft unterschätzte ich die Herausforderung völlig. Na immerhin hatte ich mir im Vorfeld eine halbwegs regenfeste Ausrüstung zugelegt. Denn ehrlich: in meinen jüngsten Träumen hätte ich wohl nicht damit gerechnet, dass ich 6 Stunden 30 am Stück bei mitunter starkem Regen wandern würde. Immerhin kann ich meinen Kindern später erzählen, dass regenfeste Funktionskleidung irgendwann auch durchgeweicht ist. Auf der anderen Seite spielt das keine Rolle. Regen von außen und Schweiß von innen lassen die Grenzen mitunter verschwimmen. Meine persönliche Demotivation nahm jedenfalls während der Tour (4 Stunden bergauf) ihren Lauf, als ich von einem mutmaßlichen Gipfel zum nächsten wanderte. Meine beiden Begleiter hatte ich schon frühzeitig ziehen lassen.

„Michel, los, pack schon deinen schweren Kamerarucksack zusammen“, hörte ich mich sagen. Spätestens auf dem Gipfel bei einer maximalen Sichtweite von 50 Metern (und ich hab bei dem Beweisfoto eine glückliche Sekunde abgepasst) merkte ich, dass die Idee Potenzial nach oben hat. Egal. Am Ende einer solchen Tour überwiegt der Stolz. Und so muss man nach einer anstengenden Tour auch mal abschalten dürfen.

Ben Nevis (Nevis Range)
Ben Nevis (Nevis Range)
Gipfel des Ben Nevis (Nevis Range)

16.06., Zurück in Glen Coe

Am nächsten Tag, warum auch entspannen, wollten wir Buachaille Etive Mòr erwandern. Ein tollkühner Plan, denn a) hatten wir keine Wanderkarte (was in schlecht ausgeschilderten Wanderregionen eher hinderlich ist) und b) war einer meiner Mitstreiter körperlich leicht angeschlagen. Sportlerprobleme. Und von a) hat sich noch kein Mann abschrecken lassen. Also auf nach Altnafeadh!

Buachaille Etive Mor von Altnafeadh aus betrachtet (Glen Coe)

Unsere Tour begann dieses Mal immerhin trocken, doch leider machte uns unsere Planlosigkeit einen Strich durch die Rechnung. Das einsame Dorf auf dem Foto beherbergt an günstigen Tagen einen Wanderverein; dient zusätzlich als Weggabelung zum Aufstieg. Wenn wir vorher gewusst hätten, dass der rechte Weg der für den Aufstieg korrekte Pfad gewesen wäre, dann hätten wir diesen Weg mit Sicherheit gewählt. Leider war uns das vor Ort nicht bewusst, weshalb wir uns für den augenscheinlich einfacheren Weg links entlang entschieden. Wie sich später herausstellte, war der linke Weg ausschließlich für Bergsteiger mit entsprechendem Equipment geeignet. Okay, 2 Stunden umsonst gewandert.

Da die Zeit nun schon fortgeschritten war, lohnte sich ein Neuaufstieg nicht mehr. Wir drehten um und nur weniger Kilometer weiter hielten wir im Lost Valley von Glen Coe an. Wie ihr seht, hatte uns der Regen zu diesem Zeitpunkt bereits eingeholt. Wir wanderten auch hier einige Kilometer, bevor wir uns genervt vom Regen entschlossen, ein neues Ziel anzusteuern.

The Lost Valley (Glen Coe)
Henning im Lost Valley (Glen Coe)

Die Steall Falls

Zum Abschluss des Tages suchten wir uns noch eine einfache Aufgabe heraus. „Klar!“, werdet ihr sagen, „Noch eine Wandertour! Pause wäre ja auch mal eine Option..“. Stimmt! Könnte man machen. Wollten wir aber nicht. So oft sind wir nun auch nicht in Schottland. Da muss man die Zeit eben sinnvoll nutzen. Also suchten wir uns das nächstbeste Ziel im Navi, welches aller Voraussicht nach einfach zu Fuß zu erreichen ist.

Die Steall Falls Wasserfälle waren nur knappe 30 Minuten Wanderung vom angegebenen Parkplatz entfernt, somit als Ziel ideal geeignet. Besonders spektakulär war die Flussüberquerung kurz vor dem Wasserfall. Anstelle einer vernünftigen Holzbrücke wurden drei Stahlseile gespannt. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und wurden erneut mit einer für uns beeindruckenden Naturkulisse belohnt.

Blick auf die Nevis Range (Nevis Range)
Steall Falls (Nevis Range)
Gräser bei den Steall Falls (Nevis Range)

Nach Abschluss der letzten Wandertouren in Glen Coe sowie der Nevis Range waren wir reichlich geschafft. Der nächste Tag sollte wieder ein Reisetag werden, dieses Mal zur Isle of Skye. Doch dazu beim nächsten Mal mehr!

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