If you’re going to Werder City …
by Tafelzwerk
… be sure to wear a hat on your head. Ist zwar nicht ganz richtig, da der Songtext von mir zerpflückt wurde und andererseits, weil Werder (Havel) nicht unbedingt einen Hut erfordert. Auch nicht beim Baumblütenfest, welches einmal im Jahr dort stattfindet und das zweitgrößte deutsche Volksfest ist. Und ja, wie bereits im letzten Beitrag geschrieben, ging ich dort nicht ohne meine Kamera hin. Meiner kleinen Nikon D3000. Und noch jemand war offiziell neu an Bord: Die kleine Vanessa. Oder wie sie oftmals liebevoll genannt wird: Vanni. Ja, der kleine 1,60cm-Hüpfer wird euch in dem Blog mit Sicherheit noch das ein oder andere Mal begegnen; das verspreche ich!
Früh aufstehen hieß es also für Tafelzwerk und Vanni, denn Morgenstund hat Gold im Mund und der frühe Vogel fängt eh den Wurm und fliegt danach gegen einen Strommasten und wird dadurch gegrillt. So gibt es wenigstens noch etwas Nahrhaftes am frühen Morgen. Und wer, wie ich, gut informiert durch die Welt wandern würde, hätte schnell erkannt, dass früh aufstehen total sinnlos ist, weil das Baumblütenfest seine offizielle Eröffnung erst zwischen 12 und 13 Uhr zelebrierte. Doof gelaufen, denn ich laufe bekanntermaßen selber nicht gerade sehr informiert durch die Gegend und so konnte ich mir dramatischerweise sehr viel Zeit vor dem “take off” lassen.
Als wir dann voller Vorfreude gegen 11 Uhr die Reise antraten, wusste ich noch nicht, dass Vannis Nervosität parallel zur erreichten Geschwindigkeit auf dem Tacho des Autos steigt und so muss ich demnächst noch dafür sorgen, dass eben dieser Tacho bei der nächsten Autobahnfahrt aus mir noch unerfindlichen Gründen unreparierbar defekt sein wird. Aber mit einer geballten Ladung Kurt Krömer, der durch Sprüche wie “Ihr könnt es vielleicht nicht sehen, aber ich habe nur ein Bein!” berühmt geworden ist, verging die Anreise doch relativ schnell. Aber es waren immerhin knapp 100 Kilometer, die wir hingefahren sind. Da kann der geneigte Berlinunwissende mal sehen, wie lang der Berliner Ring ist. Und das, obwohl wir nicht mal die Hälfte befahren haben.
Endlich in Werder angekommen, galt es dann die einheimischen Wohnsiedlungsparkplätze unsicher zu machen. Das gelang uns, nur so viel dazu, relativ schnell – aber leider auch relativ weit abseits vom Baumblütenfest, zu dem ich irrtümlicherweise immer Kirschblütenfest sagen möchte. Nach einer kurzen aufwärmphase der Beinmuskulatur mithilfe des Spaziergangs zum Fest sollte am Anschluss der richtige Brocken an Laufleistung folgen, der im Nachhinein betrachtet der kleinen Vanni ganz schön zugesetzt hat. Ich möchte nämlich erwähnen, dass sie am Montag (in Werder waren wir am Samstag) immer noch total fertig von der Tour war. Allerdings lass ich mir selber die Butter vom Brot nehmen, wenn ich die Wahrheit erzähle. Ich bin nämlich selber kurz davor die Augen zu schließen.
Derartige Volksfeste arten heutzutage eher zu einer Aneinanderreihung von Fressbuden aus, was ich sehr schade finde. Kaum ein Stand mit tollen einheimischen Produkten – außer natürlich Obstwein, für den Werder recht bekannt ist. Und so schlenderten wir quer durch Werder hinüber zur Insel Werder über eine Brücke führend über die Havel. Ein sehr schöner Anblick, besonders bei unserem traumhaften Wetter. Denn Vanni und ich haben aufgegessen und somit standen die Chancen auf einen sonnigen Samstag sehr gut.
Irgendwie zog es uns am Anfang noch nicht sofort zum Baumblütenfest, was gegen 12 Uhr auch noch recht leer war. Stattdessen zogen wir durch Häusergassen hinunter zum Ufer und machten so einige Bilder. Wir sahen das Schiff “Sanssouci” (franz. “ohne Sorge”), sahen zwitschernde Pärchen und schlossen uns diesen fleißig an. Die Insel Werder ist ein romantischer Ort, nur so viel als nicht mehr geheimer Geheimtipp. Und die Insel wird gleich viel romantischer, wenn man sie mit einer kleinen Prinzessin besucht. Vanni erstrahlte nämlich im Antlitz ihres neuen Kleides, welches fast schon zu viel Aufmerksamkeit bei dem Publikum erzeugte. Okay, zwar konnten wir ihr den Titel “Blütenkönigin” nicht verschaffen, was viel mehr daran lag, dass die Bewerbungsfrist schon vorbei war; aber ich bin mir sicher, dass sie mit diesem Outfit bestens in die Rolle einer Königin gepasst hätte.
So musste sie sich mit dem Gedanken begnügen, nur die Schönste zu sein, allerdings unter der Bedingung, dass es kaum jemand wissen konnte. Zumindest nur diejenigen, die sie sahen. Und in der Tat: Wann wird man schon mehrmals angesprochen, wo ein Kleid gekauft wurde und wie teuer es war? Mir gänzlich fremd, ließ mich aber mit breiter Brust durch die Menge watscheln.
Bis dann, ja bis dann endlich auch John Boy mit seinen Freunden mit den Umzugswägen ankamen. Jede Menge verrückter Dinge wurden vorgestellt; historische Fahrräder, Clubs, Vereine, Angler, Baumblütenflücker – im Gunde alles erdenkliche. Zwei äpfel, einen Tennisball und sogar ein kleiner Becher Obstwein wurden uns gespendet, was aber schlussendlich der Grund für viele betrunkene Menschen auf dem Fest sein sollte. Aber so sind sie halt, diese Volksfeste.
Anschließend sind wir auf die Suche nach einem Hochzeitsgeschenk gegangen, fanden aber erstaunlicherweise nichts weiter, denn wie vorhin erwähnt, bestehen diese Feste eh nur noch aus Fressbuden. Irgendwann fassten wir uns ein Herz und nahmen bei einem Portraitzeichner platz, um wenigstens mit einer Kleinigkeit überraschen zu können! Und siehe da; das Bild ist richtig gut geworden. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wen der Zeichner dort gezeichnet hat. Aber auch das finde ich heraus!
Auf dem Rückweg erlebten wir dann noch den ein oder anderen angetrunkenen Gesellen. Das die Jugend in der Hinsicht schon am Nachmittag und überhaupt über die Strenge schlagen muss, ist mir gänzlich unklar. Wir staunten derweil nicht schlecht über die vielen Baumblüten, die in grün, rosa und weiß hell erstrahlten.
Als Fazit kann man durchaus sagen, dass sich ein Ausflug zum Baumblütenfest lohnt – egal, ob man sich hilflos betrinken möchte oder einfach nur eine schöne Zeit dort verbringen will. Wir entschieden uns für die zweite Variante und darüber bin ich sehr froh! Ich hatte sehr viel Spaß und bedanke mich auf diesem Wege direkt bei der kleinen Vanni, die aus einem kleinen Ausflug ein unvergessliches Erlebnis gemacht hat. Mehr kann ich dazu nicht sagen, außer, dass ich hoffe, dass es nicht der letzte Tag von dieser Sorte war!
Bis zum nächsten Eintrag! ;)






