Macht ihr mal die Touristenverarsche …

by Tafelzwerk

Berlin Friedrichstraße an der Spree

… in Berlin, steigt in den Bus, ich komme nicht hinterher! Dann hab ich wenigstens für heute meine Ruhe vor euch. So in etwa darf sich der geneigte Berliner fühlen, wenn Verwandtschaft aus dem Umland kommt und unbedingt etwas von der Stadt sehen will. Mit der Berliner Schnauze und ganz viel Herz könnte sich ein solches Szenario auch schön des öfteren ergeben haben. Oder ich schreibe es nur, weil ich schlecht zitieren kann und als Quelle meiner Idee Kurt Krömer nicht erwähnen möchte.

Ich selber finde diese Touristenverarsche auch nicht so toll. Man darf sich eben nur nicht verarschen lassen, dann ist es auch keine Touristenverarsche mehr. Klar, ob London, Rom oder eben Berlin – alles Städte, die Sehenswürdigkeiten haben, die sehenswert sind und die man auch gesehen haben sollte, wenn man zu Besuch ist. Gerade in einheimischen Gefilden neigt der Mensch dazu, sich nicht genügend auszukennen. So weiß er zwar, wie die dritte Straße in Klein Pusemuckel heißt, wer dort geboren wurde und vor allem warum, doch fragt man den Berliner dann, welche Stadt doppelt so viele Brücken wie Venedig hat, ist er überrascht, wenn die Antwort Berlin lautet.

Bodemuseum auf der Museumsinsel

Bodemuseum auf der Museumsinsel

Und so besuchte mich ein Engel und führte mich eben auf die Fährte dieser Stadt. Zuerst ein Gebäude mit sozialkritischem Flair, nämlich der Luftschutzbunker nahe des Anhalter Bahnhofs, heute ausgebaut zu einem Gruselkabinett, dass schon so manchen glaublosen Besucher das Fürchten gelehrt hat. Leider war ich selber so mit der Welt, bösen Menschen in kranken Masken und schreienden sowie rennenden Menschen beschäftigt, dass ich keinerlei Gedanken an ein Foto hatte. Aber wer nicht gerade Herzkrank ist und auch sonst eher der Meinung ist, dass Horrorfilme um 3 Uhr morgens mit anschließendem Schreckeffekt genau seine Welt sind, der sollte sich diese Attraktion nicht entgehen lassen. Einen kleinen Rückblick in die Zeiten um den Zweiten Weltkrieg gibt es zudem noch dazu.

Sea Life Berlin mit unbekanntem Fisch

Sea Life Berlin mit unbekanntem Fisch

Um danach den Schrecken vom Leib zu schütteln ist ein kleiner Spaziergang mit einer Garnelenbox nötig gewesen. Hier ist für Touristen die Spree zu empfehlen – mit eingeschlossen natürlich die vielen Brücken, die durch Berlin Mitte nasse Füße verhindern. Aber – wenn ein Engel dafür sorgt, dass man fliegt, sollte man die Gummistiefel im Schrank lassen. Selbst bei Regen, Hochwasser und akutem Brückenmangel. Diese Tour lohnt sich sogar vom Anhalter Bahnhof über den Potsdamer Platz, hin zur Friedrichstraße bis kurz vor den Friedrichstadtpalast. Im Anschluss geht es an der Spree vorbei an der ersten Strandbar Berlins zu den Hackeschen Höfen hinüber zum nächsten Touristenprogramm, dem Sea Life Berlin.

Der Aquadom gegenüber von Sealife Berlin, mit 25 Metern Höhe das größe Aquarium Europas inklusive des langsamsten Fahrstuhls weltweit?  Jeden Tag putzen mehrere professionelle Taucher die Scheiben innerhalb von mehreren Stunden.

Aquadom im Sea Life

Interessant war, dass wir die Garnelen, die wir eben noch aßen, nun im Sea Life begutachten konnten. Und ich versicherte denen, dass sie garantiert gut schmecken würden. Auf einmal fingen die vor Wut an zu kochen – ich empfand das Kochen jedoch als sehr positiv, sah ich doch schon meinen Nachmittagssnack auf mich zukommen. So konnten wir uns Fische anschauen, sahen Nemo und Dorie und am Ende wurden wir von den acht Armen der Krake gefesselt. Das allerdings erst, nachdem wir den Aquadom besichtigten, der sage und schreibe mit 25m Höhe das größte Aquarium Europas darstellt.

Auch wenn diese Touristenverarschungsprogramme oft sehr teuer sind, lohnen sie meistens einen Besuch. Das sollte man jedoch nur in bezaubernder Begleitung machen, da die Ausflüge sonst schneller vorbei sind, als man das womöglich plante. Am Ende kann man den Tag dann mit einem Kinobesuch abrunden und so habt ihr einen Tag im Leben des Tafelzwerk nachgeahmt – ich denke, es lohnt sich!