Wie die Faust aufs Auge: Winterurlaub
by Tafelzwerk
Ich schreibe diesen Blogeintrag an einem Montagabend, es ist 23:39, also Zeit fürs Bett. Den Blogeintrag kann ich erst am Dienstagabend hochstellen – in meinem Hotelzimmer empfange ich das W-LAN leider nicht, weshalb ich um diese Zeit nicht mehr online sein kann. Trotzdem bleibt mir Zeit einen kleinen Eintrag zu verfassen: Ich bin im Winterurlaub. In österreich – dem Stubaital.
Freitag, der 29.01.2010, der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub. Am Donnerstagabend freue ich mich bereits auf diesen Tag: Home Office. Was gibt es schöneres, als die Arbeit im heimischen Umfeld zu erledigen? Und plötzlich wache ich, gequält durch meine Nase, morgens in Gedanken an das gleich startende Meeting auf. Gestern Abend wohl doch zu viel Sekt auf der Schulfeier getrunken, denke ich mir, die Nase wird schon noch frei und der Kopf dröhnt sicherlich gleich nicht mehr. Und die fehlende Kraft kommt bestimmt durch Zauberhand zurück. Elf Uhr, das Meeting beginnt. Zwölf Uhr zehn, das Meeting ist vorbei – die Nase ist voll, der Kopf tut weh. Nein, wird’s wohl doch eine Erkältung sein. Und das so kurz vor dem Urlaub. Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Also schnell Klamotten packen – man gönnt sich ja sonst nichts. Dann los zu meinem Vater. Am Freitagabend merke ich, wie mein Kulturbeutel fehlt. Und das Ladegerät für den Akku der Kamera. Beides bekomme ich nun nicht mehr zu mir gezaubert, wie ärgerlich. Der Urlaub fängt gut an.
Samstag, der 30.01.2010, der Tag der Fahrt. Zwei Uhr dreißig werde ich durch Gewusel in der Wohnung wach; die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Dann geht es pünktlich um drei Uhr los in Richtung österreich. Es hat geschneit, es hat leicht geregnet, der Wetterbericht kündigt Glatteis an. Die Straßen sichtlich voll von Schnee und Eis – gefahren wird trotzdem. Vier Uhr, die Autobahn 9 ist erstaunlich voll. In keinem Jahr davor war es so voll wie heute. Egal, die Autobahn ist dafür nicht glatt und überall fühle ich mich heimisch: Immer ein Berliner Autokennzeichen in meiner Nähe. Es wird hell, wir passieren München und begeben uns in den zähfließenden Verkehr. Dieser geht bis nach österreich. Trotzdem kommen wir gut an. Mein Hotelzimmer ist etwas abseits der üblichen Hotelzimmer. Es ist auch moderner eingerichtet und schöner, nur leider ohne W-LAN. Das Leben kann so hart sein. Anschließend geht es zum Intersport Skier ausleihen. Die Technik dort ist von IBM, also kann ich etwas angeben. Schnell sind Schuhe und Skier ausgeliehen und es geht zurück zum Hotel. Abends gibt es das hier übliche Drei-Gänge-Menü. Es ist wie immer lecker – nun noch etwas Wii spielen und dann ab ins Bett. Morgen geht es früh raus um den Skibus nicht zu verpassen.
Sonntag, der 31.01.2010, die erste Abfahrt. Aufstehen, duschen, frühstücken, zum Bus, zur Gondel, ab auf den Berg. Wir fahren also auf dem Stubaier Gletscher. Bis zu 3300 Meter ist dieser hoch. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung kann ich nicht abschätzen. Habe meine Vergleichsfotos von vor 50 Jahren neben dem Ladegerät für den Akku der Kamera liegen lassen. Also bleibt mir nur der Glaube an die Bildzeitung. -21 bis -27 Grad Celsius bei vorhandenem Wind machen mir zu schaffen. Also auf zu Intersport eine Skimaske kaufen. Diese kostet lächerliche 20 Euro – in Berlin sagenhafte 5. Meinen geldscheißenden Esel habe ich zum Glück nicht vergessen. Die Nase läuft immer noch. Nach der zweiten Abfahrt geht mir deutlich die Puste aus, die Erkältung macht mich fertig. Ich halte durch. Mein Esel hat mir vor dem Kauf der Maske Bedingungen gestellt – also Augen zu und durch. Henning prägte den Satz: „Wer nicht stürzt, fährt nicht am Limit.“ Er hatte Recht. Dazu kommt, dass meine Skischuhe zu eng sind. Am Nachmittag tauschen wir diese dann gegen größere um. Zum Glück habe ich noch keine blutigen Füße. Der Abend verläuft wie jeder Abend. Außer Kopfschmerzen kommen dazu, die mich für ungefähr 45 Minuten am nächtlichen Schlaf hindern.
Montag, der 01.02.2010, es geht bergauf. Ich bin erstaunlich gut aufgewacht. Manch Muskelkater von der ersten Tour ist weg, ich fange mit einem kleinen Fitnessprogramm an: Dehnen, Liegestütze, WC. Die Nase läuft zwar immer noch, aber nicht mehr so stark. Es geht bergauf. Heute ist es wärmer auf dem Gletscher. Wahrscheinlich erhöhter FCKW-Ausstoß. Nur noch -18 bis -21 Grad Celsius. Dafür mehr Wind. Also wärmer, aber gefühlt kälter, aber komischerweise nur den anderen und nicht mir. Habe dafür lange geübt, nicht umsonst ist Stoffwechseln eines meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich mache das den ganzen Tag und bin daher gut durchblutet. Heute testen wir neue Pisten. Außerdem habe ich meine Kamera heute mitgenommen. Oben auf dem Gipfel mache ich ein paar Fotos, unter anderem drei Panoramafotos. Nach drei Minuten Kamerahalten klappt auch meine Durchblutung an den Händen nicht mehr. Ich bestelle mir Hilfe, damit ich meine Handschuhe wieder anziehen kann. Fühle danach meine Hände nicht mehr. Nach weiteren fünf Minuten ist wieder alles gut durchblutet. Die Pisten fahren sich heute besser; das Haarlack-FCKW macht die Piste deutlich glatter als am Vortag. Am Abend spielen wir wieder mit der Wii. Wie der Meister alle Klassen erreiche im Skispringen eine Weite von 186 Meter. Diese Weite war gute 15 Minuten Rekord – bis mein Mitstreiter 188 Meter gesprungen ist. Bestimmt hat er seine Skier mit Haarlack eingesprüht. Dann wird es morgen also wärmer auf dem Gletscher.

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Mannoman! Das muss ja ein Heidenspass gewesen sein :D
Hast du wenigstens bei Intersport Rabatt bekommen, dafür dass da so fantastisch mit IBM angeben konntest?^^