Die Geschichte mit dem Sandsack
by Tafelzwerk
Es ist irgendwie enttäuschend. Kaum bin ich in Berlin, habe ich viel Langeweile. Gut – wenn ich in Stuttgart bin, ist das nicht anders. Ich hätte es mir hier aber anders vorgestellt.
Zum Glück gehe ich am Donnerstag zum Sartre-Jubiläum. Zwar bin ich mir noch nicht sicher, welche Garderobe dort getragen wird, aber da wird mir schon etwas einfallen. Viel wichtiger ist hingegen, dass ich endlich ein passendes Fundstück entdeckt habe, welches ich zur Ausstellung „Sartre on the fly“ beisteuern kann: Der gute alte Hacky Sack!
Mein Hacky Sack hat wahrscheinlich die beeindruckendste Geschichte aller Hacky Sacks auf meiner Schule hinter sich. Das nachfolgende Ereignis hat es sogar bis in unser Abibuch geschafft. Ich erzähle einfach die Geschichte: Zum einen gehörte dieser Hacky Sack nie mir. Nein, wir waren alle mal jung. Ich hab den Hacky Sack einfach ein paar nervtötenden Leuten, zu denen ich heutzutage sicher auch gehören würde, weggenommen. Erstaunlich war, dass die, sowieso meiner Klasse zugehörig, den Hacky Sack nie zurück wollten. Das lässt den Schluss zu, dass der Sandsack ebenfalls nicht offiziell in ihrem Besitz war.
Was nun mit einem kleinen Sandsack anstellen? Richtig – damit kicken. Wir haben nicht lange gefackelt und selber mit dem Teil in der Pause rumgespielt. Dummerweise beobachtete das meine damalige Mathelehrerin, die das vermutlich nicht so witzig fand. Meine damalige Mathelehrerin, aus datenschutztechnischen Gründen möchte ihren Namen an dieser Stelle lieber nicht nennen, fand mich wahrscheinlich eh schon total super. Das lag unter anderem an meinen fantastischen Leistungen in den ersten Jahren – gerade im Fachbereich Mathematik. Der Höhepunkt meiner fabulösen Mathekenntnisse im Alter von geschätzten 14 – 16 Jahren war dann die Elternsprechstunde, zu der die besagte Lehrerin meinen Mathehefter einkassierte. Diese Dynamik, jenes Selbstbewusstsein, das strahlende Auftreten. All das hatte mein Hefter: Zumindest unter einer Bande Raudies, die geknickte Ecken optisch elegant wahrnehmen und Gekritzel als Graffiti interpretieren würden. Es gab im Anschluss ordentlich Pfeffer und vermutlich einen drastischen Wendepunkt in meiner Einstellung zum Fach Mathematik. Es war mein erstes Mal! Das erste Mal! Das erste Mal, dass ich ein Geodreieck hatte. Ja, das wurde im Anschluss gekauft. Reichlich spät, da wir gerade mitten im Stoffbereich Geometrie steckten.
Und diese Lehrerin, um den Bogen zu spannen, sah mich nun mit meinen Freunden beim Spielen mit dem Hacky Sack. Natürlich muss ich gerade an der Reihe gewesen sein, ansonsten wäre die Bürde wohl kaum auf mich gefallen. Wahrscheinlich gehört anschließender Akt der Sklaverei zu den einmaligen Ereignissen an meiner damaligen Schule; aber ich hab ihn inne. Ich durfte die Raucherecke auf dem Schulhof fegen. Dieser Schule kann also niemand vorwerfen, sie kümmere sich nicht um Perspektiven der Schüler. Leider ist es später doch keine Ausbildung zum Hausmeister geworden, aber spätestens seit Scrubs wissen wir, wie aggressiv Hausmeister in Wirklichkeit sind. Und in der Tat: Es machte einfach keinen Spaß die Raucherecke zu fegen. Ich kann das bezeugen. Und so hat der Hacky Sack ein paar Erinnerungen an meine Schulzeit geweckt und ist somit das ideale Objekt für die Ausstellung – auch wenn das Ergebnis nicht gerade rühmlich ist.


Nachtrag:
Merke grad dass es wieder schneien tut. Tja Herr Tafelzwerk, wird wohl doch länger als ne Woche dauern hier klar Schiff zu machen…
Zitat:
[...] Die Geschichte mit dem Sandsack « Tafelzwerks Leben2.0 [...]
Zitat Ende…
LOL!
Aber zurück zum eigentlichen Thema!
Wieso ist dir hier langweilig? Hast du nicht genug Arbeit oder so? Kannst ja mal den Parkplatz vor meiner Tür vom Schnee befreien, da haste erstmal nen paar Tage lang zu tun :)
Raucherecke fegen war damals, als da auch wirklich geraucht werden durfte, sowieso die Lieblingsstrafe der Lehrer. Besonders besagte Lehrerin – nennen wir sie mal der Einfachheit halber einfach Frau R. aus B. – war eine begeisterte Anhängerin dieser Strafe. Mich hätte sie auch fast dran gekriegt, ist aber zum Glück im Sande verlaufen…
Das diese Strafe nichts mit deiner weiteren Beruflichen Karriere zu tun hat, ist dennoch nicht ganz ausgeschlossen! Und schon höre ich wieder die Worte einer anderen Frau R. aus B. in meinem Kopf, die uns beiden ach so oft prophezeite: “Ihr landet beide noch mal unter der Brücke!”
Tja, dann wohl doch lieber Hausmeister. Denn der aufmerksame Scrubs-gucker weiß, dass Hausmeister nicht von Natur aus so aggressiv sind, sondern dass es am Ammoniak der Putzmittel liegt.
Bleibt am Ende nur zu hoffen dass du doch noch den richtigen Dresscode errätst, und dein Andenken an die Schulzeit ohne Probleme ins Gebäude geschmuggelt bekommst… Denn soweit ich weiß herrscht immer noch Hacky Sack-Verbot im Haus der Schande.
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