Stasi in der Linken – die Mauer steht noch.

by Tafelzwerk

SPD + Linke in BB

SPD und die Linke in Brandenburg

In letzter Zeit gab es ziemlich viel Wirbel um die Rot-Rote Regierung im Land Brandenburg. Und warum? Wegen der Linken. Einige Parteimitglieder haben wohl eine ungeklärte Stasivergangenheit und das fällt ihnen jetzt zur Last. Der Linken wird vorgeworfen, nicht offen mit der Vergangenheit dieser Leute umzugehen und die öffentlichkeit nicht ausreichend zu informieren. Doch steht hier ein ganz anderes Problem an vorderster Front: Noch immer haben die Menschen Angst vor der Linken, und noch immer fürchten sich Menschen vor ehemaligen Stasispitzeln bzw. IMs.

Vor wenigen Tagen wurde in Berlin der Mauerfall gefeiert. Das Volk wächst wieder zusammen. Was zusammen gehört, wächst auch wieder zusammen. Ein gutes Motto. Und ich bin auch froh, nicht in der DDR aufgewachsen zu sein. Obwohl nicht alles in der DDR schlecht war. Ich zum Beispiel kann gar nicht über das Leben der DDR urteilen, über Gefühle der Menschen, über Erlebnisse und Geschehenes. Was ich aus Geschichtsbüchern gelernt habe, befähigt mich nicht, darüber zu urteilen. Was mir Erfahrungen übermittelt haben, lehrte mich, dass es gute und schlechte Seiten gab. Und die Stasi zählte gewiss nicht zu den angenehmen Seiten der DDR. Darüber müssen wir sicherlich nicht diskutieren.

Das sehen andere Menschen auch nicht anders – ansonsten gäbe es keinen Eklat. Die Frage ist doch: Wieso wählen relativ viele Menschen in Brandenburg die Linke, um dann zu merken, dass die Linke doch eigentlich keine gute Wahl war? Weil man davor anscheinend nicht wusste, was die Parteimitglieder für eine Vergangenheit haben. Anscheinend deshalb, weil die Linke die Vergangenheit ihrer Mitglieder nicht richtig offengelegt hat. Doch nun, wo sie offengelegt wird, spielt die Stasi in den Köpfen der Menschen wieder eine große Rolle. Und das nach 20 Jahren und der Wiedervereinigung Deutschlands. Also besteht doch noch eine Mauer.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Und wir haben Angst. Angst vor der Vergangenheit; doch ist diese Angst angebracht? Sollte man diesen Menschen nicht eine faire Chance geben, ihr Können unter Beweis zu stellen? Ich würde lieber eine fähige Regierung aus Ex-Stasimitarbeitern haben als eine unfähige Regierung liberaler Helden. Und das spiegelt in keinem Fall meine Sympathien für irgendeine Partei wieder. Das ist Fakt. Also warum geben wir Rot-Rot in Brandenburg nicht einfach eine Chance? Ach so. Wegen dem Vertrauen, dass wir in eine ehrliche Partei haben sollten. Das Vertrauen, das die Menschen nicht aufbauen können, weil die Linke die Vergangenheit vieler Parteimitglieder nicht ehrlich offengelegt hat. Aber mal ehrlich: Hätte die Linke diesen Fakt im Voraus zugegeben, würden die Wähler ihr Kreuz bei einer anderen Partei setzen. Und das ist nicht objektiv. Ich habe sowas früher immer Notlüge genannt. Es war nicht ehrlich, aber Mittel zum Zweck. Und die Lüge war ja eigentlich gar nicht so schlimm.

Ich verstehe den Aufstand gegen Rot-Rot in Brandenburg nicht; lasst die Parteien ihre Arbeit erledigen. Wenn sie ihren Job schlecht machen, wählen wir sie wieder ab. Meutern wir jetzt schon, werden wir nie wissen, ob die Ideen der Linken nicht vielleicht zu unserem Wohle gewesen wären. Seid objektiver und lasst Vergangenes in der Vergangenheit. Jeder hat seine zweite Chance verdient. Heutzutage haben wir die Möglichkeit, etwas zu ändern. Die Zeiten der DDR sind vorbei, die SED ist nicht mehr existent. Das sollte in die Köpfe der Menschen. Und kein Vorurteilsgebaren, was der Einigkeit des Landes schadet! Oder was denkt ihr?