Swoopo. Oder: Wie wird einem Geld nachgeschmissen?

by Tafelzwerk

Swoopo

Swoopo

Vor einiger Zeit lockte mich ein Komilitone mit einer interessanten Homepage und der erfreulichen Aussicht auf baldige Geldsparerei. Swoopo. Das Angebot klingt wirklich verlockend: Spiegelreflexkameras für 70 €, LCDs für’n Appel und’n Ei und ganz viele Dinge, die das Herz höher schlagen lassen. Erst Recht Herzen der Zockergemeinde Neckartor Raum Stuttgart.

Das Prinzip ist einfach: Auf Angebote muss geboten werden. Diese Gebote sind nicht wie bei eBay kostenlos abzugeben, sondern kosten Geld. Ein Gebot jeweils 0,50 €. Hmmh, akzeptabler Preis für ein paar Gebote, wenn ich die Kamera am Ende für 100 € bekomme, statt im Laden für 900 €. Das denken sich vermutlich die meisten Bieter. Mich hat das zugegebener Maße auch gelockt.

Also habe ich mich sofort angemeldet – am Anfang gab es gleich 20 Freigebote. Toll, dachte ich mir. Der fantastische Komilitone riet mir gleich dazu, Gebote zu ersteigern. Das geht nämlich auch. In Anfängerauktionen etwas leichter. Ich also hin, drei Gebote verpfeffert und 20 Gebote für 0,12 € gewonnen. Toll, das klappt ja prima.

Also weiter in die nächste Auktionsschlacht. Diesmal durfte es gleich die Kamera meiner Wahl sein. Leider ging mein Plan nicht auf. Zu viele ehrgeizige Mitbieter. Den Server zu hacken sollte auch kein Kinderspiel sein, dachte ich mir. Also Tante Google gefragt, ob Swoopo überhaupt ein seriöses Unternehmen ist. Viele Treffer sagten mir, dass es legal sei. Gut. Okay, weiter geht’s.

An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass sich pro Gebot die Auktionszeit um ein paar Sekunden erhöht. Macht besonders dann Sinn, wenn die Zeit abläuft und 20 Leute bei 00:00:01 bieten. Für wen das Sinn macht? Für Swoopo natürlich. Außerdem wichtig: Pro Gebot erhöht sich der Preis standardmäßig um 0,10 €. Die Geschäftsführer sind dann irgendwann auf den Trichter gekommen, 0,05 €, 0,02 € und 0,01 € Auktionen zu starten. Niedriger Preis, oder? Die denken wirklich, dass niemand etwas merkt. Nun gut; logisch ist: Viele Bieter setzen sich ein Bietlimit. Der Preis darf also einen bestimmten Preis nicht übersteigen. Dieser Preis wird natürlich mit einer geringeren Preiserhöhung pro Gebot später erreicht und erfordert demnach mehr Gebote. Mehr Gebote durch Bieter heißt für Swoopo: Mehr Einnahmen.

Kamera

Kamera

Eine kleine Milchmännchenrechnung: Die Kamera hat ein Verkaufspreis von 100 €. Handelt es sich bei der Auktion um eine 0,10 € Auktion (Preis wird pro Gebot um 0,10 € erhöht), benötigt dies genau 1000 Gebote. Ein Gebot kostet den Nutzer 0,50 €; bei 1000 Geboten hätte Swoopo also Einnahmen von 500 €. Heute habe ich eine 0,01 € Auktion für dieselbe Kamera gesehen. Bleiben wir beim gleichen Verkaufspreis von 100 €, müssen es nun schon 10000 Gebote sein, um das Ziel zu erreichen. Bei einem Gebotspreis von 0,50 € macht dies einen Gewinn von 5000 €. Wahnsinn! So lässt sich das Geschäft leicht refinanzieren.

Eigentlich könnte bei Swoopo jeder gewinnen. Swoopo macht hohe Gewinne; der Preis teilt sich auf alle Nutzer gleichmäßig auf und einer bekommt das Produkt für sehr wenig Geld. Ist das in Deutschland eigentlich erlaubt? Ich dachte eher nicht. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

Besser, man hält Abstand von Swoopo. Erst Recht, wenn man Glücksspielsüchtig ist. Oder ähnliches. Wie der Andi.