Das Nahverkehrsnetz in Stuttgart (BVG vs. VVS)

by Tafelzwerk

Dieses Wochenende war ich wieder einmal in der wunderschönen, sich bis gestern noch anmutig im Lichte des Festivals of Light illuminiertem Stadt, Berlin. Ich möche hiermit einfach so meine Erfahrungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin und Stuttgart mit euch teilen. Ist das nicht ein tolles Thema für die New York Times? Es handelt sich dabei um die beiden Hauptakteure der Stadt: Die BVG in Berlin und die VVS in Stuttgart. Mir sind da nämlich in Stuttgart ein paar unangenehme Dinge aufgefallen …

Es war das erste Wochenende, an dem ich mit der ehrenwerten Deutschen Bahn von Stuttgart nach Berlin gefahren bin, und anschließen wieder den Rückweg bestritten habe. Wie nicht anders zu erwarten, war die Routenplanung ohne Ausnahme fantastisch und bis ins kleinste Detail durchdacht. Es fing schon damit an, dass ich zwei Mal von Stuttgart nach Berlin umsteigen durfte. Zuerst nahm ich den Regionalzug nach Würzburg, dann den ICE nach Hamburg, und ab Göttingen steig ich in den ICE nach Berlin, nur um festzustellen, dass eben dieser Intercity Express in Stuttgart startete! Hätte mir die DB einfach den Tipp geben können, eine Stunde später in Stuttgart zu starten und gleich diesen ICE zu nehmen. Aber ich kann natürlich einfach den umständlichen Weg nehmen. Macht ja auch Spaß und ich habe sonst nicht zu tun. Worauf ich mich jedoch verlassen kann, ist das Nahverkehrsnetz in Berlin. Ich komme Berlin Ostbahnhof an, pendelt mir auch schon locker flockig gegen 0:45 eine S3 entgegen, die zu dieser Zeit wie selbstverständlich im 10-Minuten-Takt fuhr – wenn auch nur im 20-Minuten-Takt die volle Strecke. In Köpenick angekommen, fährt auch sofort der Nachtbus vor und alle sind glücklich.

Die Rücktour nach Stuttgart habe ich diesmal mit nur einem Mal umsteigen hinter mich bringen können. Und zwar in Frankfurt; auch in so einem blöden Sackbahnhof. Da lobe ich mir den Berliner Hauptbahnhof. Als ich dann aber gegen 02:45 in Stuttgart angekommen bin, entgegnete mir der wahre Großstadtalbtraum: Der Hauptbahnhof war klinisch tot. Es fuhren weder S-Bahn, noch Stadtbahn oder Busse. Der Burger King hatte geschlossen, lediglich ein einziger Le Crobac hatte noch geöffnet. Ein Schock! Außerdem waren die Hauptausgänge ohne (in meinen Augen) jeglichen Sinn geschlossen. Einfach kein schöner Anblick. Aber Michel, dachte ich mir, du hast vor im Internet geschaut. Ab Schlossplatz fahren ja so tolle Nachtbusse. Voller Erwartung bin ich nun also dort hingelaufen, nur um zu merken, dass ich mich damals verlesen habe und die Nachtbusse nur in der Nacht von Freitag zu Samstag und von Samstag zu Sonntag fahren. Die Schlussfolgerung davon ist also, dass die Stadt in der Woche nachts tot ist. Und so musste ich mir am Ende ein Taxi für 20 € nehmen und lauthals darüber fluchen.

Eigentlich muss ich mich dann gar nicht wundern, dass alle Geschäfte, auch am Hauptbahnhof, so früh schließen. Wenn einfach kein Nahverkehr nachts verkehrt (welch witziger Wortwitz), kommt auch keine Kundschaft. Wahrscheinlich ist der Raum Stuttgart von der vielen Wirtschafterei nachts so müde, dass abends ausgehen einfach nicht im Etat eingeplant wurde. Kultur adé. In der Woche ins Theater und abends noch essen gehen – ohne Geld oder Auto einfach nicht möglich.

Das ist aber nicht der einzige Nachteil des Nahverkehrsnetzes, gestellt von der VVS und der S-Bahn Stuttgart. So bietet man einen Tarfijungel an, der seines gleichen sucht. Sage und schreibe 48 Tarifzonen sind im Großraum Stuttgart anzutreffen. Der Großraum Berlin hat 3. Das nenne ich Vereinfachung auf ganzer Linie. Nicht zu schweigen von den Fahrkarten. Bezahlst du in Berlin (BVG) für eine Tageskarte ABC (je Buchstabe eine Tarifzone) 6,50 €, so bezahlst du in Stuttgart für alle Tarifzonen 12 €. Jetzt kann ich mir noch die Nord-Süd und die Ost-West-Ausdehnung ansehen, um die beiden Tarife zu vergleichen. Da mir das zu viel Aufwand ist, nehme ich einfach die maximale diagonale Ausdehnung der Regionalzugbahnhöfe (nicht des Busnetzes, gemessen nach Augenmaß).

So ist der Abstand im Großraum Berlin zwischen Strausberg und Ferch-Lienewitz laut Google 79,5 km (Fußweg) nur etwas über 10 km kleiner als im Großraum Stuttgart zwischen Bondorf und Fornsbach mit 92,9 km (Fußweg). Definitiv rechtfertigt die Ausdehnung keinesfalls den Preis. Außerdem besitzt Stuttgart weniger Linien, hat nicht wie Berlin eine Staßen- sowie U-Bahn und bietet in der Woche nachts keine Busse an. Laut Wikipedia ist das S-Bahn-Netz in Stuttgart 177 km lang und in Berlin 331 km. Also was in aller Welt rechtfertigt bitte diese fetten Preise für dieses miese Angebot?!

Das Nahverkehrsnetz in Stuttgart ist ein Grund, später hier nicht zu wohnen. Selbst mit dem S-Bahn-Chaos in Berlin ist die Stadt immer noch besser Aufgestellt als Stuttgart. Allein schon wegen der BVG. Der Gewinner für mich ist daher klar die BVG.