Die Formel 1, Gewinner und Versager 2009
by Tafelzwerk
Die Saison 2009 neigt sich langsam ihrem Ende entgegen und ich möchte, auch wenn es kein Glück bringen soll, Brawn GP für beide Titel beglückwünschen. Die Saison war aufregend, spannend, skandalös und trotzdem menschlich sowie sportlich enttäuschend. Deshalb möchte ich euch meine Liste der Gewinner und Versager der Saison 2009 nahe bringen.
Gewinner
Mark Webber: Eine lange Zeit wurde Marc Webber als Talent gehandelt; und nicht umsonst fuhr er in seinem ersten Formel-1-Rennen, damals noch für Minardi, in die Punkte. Danach war lange Zeit nicht mehr viel vom sympathischen Australier zu hören. Noch in der letzten Saison fuhr er mit Red Bull im Mittelfeld und das Team hat auch sonst nicht viel auf die Beine gestellt. In der Winterpause zog sich Webber dann einige Brüche bei einem Fahrradunfall zu, die bis zum Saisonbeginn nicht ganz ausheilten. Dank der unkonventionellen Hinterradaufhängung des Fahrzeugdesigners Adrian Neweys konnte das Team, auch Webber, plötzlich vorne mitfahren. Webber zeigte gute Leistungen und gewann sogar am Nürburgring. Dabei blieb er immer bescheiden und hat in den Medien nie großes Aufsehen erzeugt. Klasse.
Kimi Raikönnen: Es scheint fast so, als würde der Finne seit Karrierebeginn ein Motivationsproblem haben. Das Medien öfter Gerüchte in die Welt setzen, als die Politik Wahlkampfversprechen bricht, ist nicht neu. Und das bei einem Weltmeister. Ein Felipe Massa (auch Ferrari) ist vielleicht etwas schneller, aber Fakt ist: Seit Massa verletzungsbedingt ausfällt, fährt Kimi bärenstark und konstant wie immer. Allerdings jetzt mehr im Mittelpunkt. In der zweiten Saisonhälfte sammelte Kimi bisher die meisten Punkte und das in einem Ferrari, an dem nicht mehr intensiv entwickelt wird. Dafür beide Daumen hoch, super Leistung. Ohne zu lamentieren.
Force India: Geld regiert die Welt. Das galt lange Zeit nicht für neureiche Formel-1-Neueinsteiger. Auch nicht für Force India. Doch jetzt scheint der Spruch erneut bewiesen. Eine schwache erste Saison 2008, ein erwartet schwacher Start in 2009 und nun eine Leistungssteigerung, die zeigt, dass auch in diesem Team Früchte der harten Arbeit geerntet werden können. Dazu zählen bisher ein Platz 2 und ein Platz 4; beide Fahrer nehmen sich nicht viel. Der Wechsel von Fisichella als Ersatzfahrer zu Ferrari ist sicherlich ein Interessanter für Italiener, und es sei ihm gegönnt, doch wechselt er in ein derzeit schwächeres Team. Hoffentlich ein stetiger Aufwärtstrend des Teams!
Versager
Nelson Piquet Jr.: In den letzten Tagen ging der Crash-Gate-Skandal durch die Medien; Flavio Briatore soll Piquet Jr. angewiesen haben, in Singapur 2008 absichtlich in die Mauer zu fahren, damit Fernando Alonso gewinnen konnte. Piquet Jr. wurde wegen schlechter Leistung Mitte 2009 entlassen, Briatore nun aus der Formel 1 verbannt. Und warum? Weil Piquet Jr. plötzlich die Wahrheit eingefallen ist. Zu dem Thema gibt es sicherlich kontroverse Meinungen – ich denke, dass es keine klaren Beweise gibt. Und wenn, dann trägt Piquet Jr. Eigenverantwortung – allerdings ist er durch die Kronzeugenregelung immun. Weil es so abgelaufen ist, wie es abgelaufen ist, wünsche ich ihm kein Glück mehr in der Formel 1. Der Fisch stinkt vom Kopfe her – eine vollständige Unschuld seinerseits glaube ich nicht. Den Vorfall dann auf die Art und Weise öffentlich zu machen, bringt die Formel 1 in Verruf. Dafür bekommt er von mir die Bezeichnung “Judas des Motorsports”. Eindeutig fail!
Sebastian Vettel: Der Youngster aus Deutschland hat 2008 im Regenchaos von Monza gewonnen und die Welt stand auf dem Kopf. Ganz schnell sprach die Welt von einem neuen Schumacher und Vettel heizte ordentlich ein. Red Bull wollte ihn haben, Toro Rosso konnte ihn nicht halten. Schon recht früh war der Anspruch für 2009 die Weltmeisterschaft. Und eigentlich lief es gar nicht schlecht für ihn. In der ersten Saisonhälfte fuhr Brawn GP zwar vorne weg, doch Red Bull Racing holte stetig auf. Momentan steht er mit zwei Siegen in der WM auf Platz 3 und trotzdem zählt er für mich zu den Versagern der Saison. Vettel muss eindeutig mehr Erfahrung sammeln. Er ist ein sehr guter Fahrer, doch zählen Leichtsinnsfehler mit zu seinem Repertoire. Er macht außerdem zu viel Rummel um die Meisterschaft, die zwar rechnerisch noch möglich ist, aber eigentlich unerreichbar für ihn ist. Vettel sollte es akzeptieren. Erst recht nach dem schwachen Rennen in Monza. Die WM ist 2009 für dich gegessen. Die zu optimistische Einstellung macht dich zum Verlierer! Fang klein an, und komme dann groß raus. So musst du fahren.
Nick Heidfeld: Ein weiterer Deutscher. Schon jahrelang gurkt er für BMW irgendwo im Nirgendwo herum und macht nicht groß von sich reden. Mit viel Glück fährt er immer noch in der Formel 1, konnte sich irgendwie mit einer Vertragsverlängerung retten. Seine Teamkollegen besiegte er in den letzten Jahren zwar immer nach Punkten (außer 2008), jedoch kam kein Sieg dabei heraus. Er ist ein konstanter Fahrer. Allerdings könnte er mit Erfolgen mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken. Schlimm bei Heidfeld: Immer war ein anderer Fahrer an den Resultaten schuld, wurde durch diesen im Verkehr aufgehalten. Wenn das nicht war, dann haben die Reifen nicht gepasst. Ihr versteht, was ich meine. Diese Uneinsichtigkeit macht ihn unsympathisch. Akzeptiere, wenn du schlecht gefahren bist. Wenn einfach nicht mehr drin war, dann suche keine Ausreden! Ich höre Kubica nicht so oft oder nie nach Ausreden suchen. Das liegt vielleicht an den deutschen Medien; aber diese sind für mich relevant!
BMW: Was dieses Intermezzo mit der Formel 1 sollte, versuche ich täglich zu begreifen. Doch ich versteh es einfach nicht. BMW hat 2009 kundgetan, nach der Saison aus der F1 auszutreten. Und ich sage: Zum Glück! Dieses Team wurde um das Geschwafel von Dr. Mario Theissen aufgebaut und konnte nie richtig Erfolge verbuchen. Entweder Flop, oder das fünfte Rad am Wagen. Und damit meine ich: Auf den Plätzen 1 – 4 waren McLaren Mercedes und Ferrari zu finden, dann kam BMW. Aber immer mit Anspruch auf die Weltmeisterschaft. In der Saison 2009 lief es dann gar nicht mehr rund. Die Nase des Autos sieht blöd aus, die Leistung unterirdisch. Probleme mit KERS gab es außerdem zu genüge. Und das, obwohl man in der Entwicklung ziemlich stolz auf die Lösung gewesen sein muss. Ein Trauerspiel aller erster Güte.
Tut mir leid
Luca Badoer: Der Ersatzmann für Felipe Masse bei Ferrari hatte schwere drei Rennen. Drei Rennen, in denen er sich nicht wirklich empfehlen konnte. Die Presse hackte auf ihn herum, ohne zu bedenken, dass der gute Herr ewig nicht mehr gefahren ist. Eine bittere Pille, die Kritik war nicht nötig.