Urlaub im alten Rom
by Tafelzwerk
Am 20.08.2009 war der wärmste Tag in Deutschland – viele haben geschwitzt, geflucht und gemeckert. Und trotzdem hatten sie keine Ahnung, dass die Temperaturen der Vorwoche in Rom viel erdrückender waren, als jene, die wir in Deutschland gestern erlebten.
Rom – nicht nur aus den Erzählung saumäßig heiß. Kurze Kleidung sollte das Mindeste am Körper sein und über kühlendes Wasser würde sich mit Sicherheit auch niemand beschweren. Los ging die Reise allerdings im wohl temperierten Berlin. Treffpunkt: 8 Uhr Wuhletal. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Abfahrt 8:50 …
Geflogen sind wir mit der von mir so geliebten AirBerlin; wegen der Farbe und dem Service besonders hervorzuheben, genoss ich entspannt bei der 2-stündigen Anreise mein Käsesandwitch und das nebenstehende Getränk. Bei der Ankunft gab es dann auch schon den ersten kleinen Rüttler: über 20 Minuten auf das Gepäck zu warten wiederspricht einfach meiner Art.
Anschließend begaben wir uns auf die Suche nach dem sog. Leonardo-da-Vinci-Express (wie treffend, der Flughafen heißt auch so [FIO]). Allein dieser Akt italienischer Herrlichkeit verlief außerordentlich schweißtreibend. Nicht nur, weil ich dummerweise keinen Koffer mit Rollen habe, nein, auch deswegen, weil wir ständig von italienischen Taxi- und Busfahrern abgefangen und angesprochen wurden. So viel Penetranz auf einen Haufen – dass konnte später nur Rom selber übertreffen!
Ein kleines Naserümpfen bei den gesalzenen Preisen von 11 € pro Person und pro Fahrt, aber eine Klimaanlage hätten die wirklich in ihre Züge einbauen können. Vorher liest man noch im Internet, dass dieser Express nur aus der ersten Klasse besteht, und dann das. Erstklassig geschwitzt habe ich jedenfalls. So konnte ich mir meine eigene Suppe kochen.
Dort angekommen gingen wir sofort in unser Hotel – was, wie auch geplant, fast direkt neben dem Hauptbahnhof war. Nun mag man vielleicht meinen, dass es dann dort mit Sicherheit sehr laut war – aber da muss ich enttäuschen: Das einzige Geräusch in unserem Zimmer war die Klimaanlage.
Nach einem kurzen Mittagschlaf sind wir dann endlich losgetigert. Und gleich vor unserer Nase fiel uns ein roter Seightseeing-Bus ins Auge, und bevor wir Luft holen konnten, saßen wir, angesprochen von einem dieser penetranten Ansprechpersonen, auch schon oben im Bus. Zuerst bereuten wir diese Aktion, da sie uns 18 € kostete. Dafür konnte man bei dieser Tour 2 Tage an jeder Seightseeing-Bushaltestelle dazusteigen. Wie sich später herausstellte, konnten wir uns den dritten Tag auch noch ermogeln! Abends setzten wir uns dann noch in ein Restaurant um in Rom dieses Erlebnis zu genießen, originale Pizza und Pasta zu essen. Für gerade einmal 5 € gab es für mich eine Coladose dazu: Ein wahres Schnäppchen!
Der nächste Tag galt einer Expedition des antiken Roms. Darunter verstanden wir die Besichtigung des Kolosseums und zusätzlich des Palatins sowie des Forums Romanum. Auf dem Weg ins Kolosseum machten wir allerdings noch einen Abstecher in die Santa Maria Maggior. Bevor wir dann später in das Kolosseum eintreten durfen, stellten wir uns brav eine geschlagene Stunde in die Schlange. Wir hätten uns auch für die teure Variante einer Führung entscheiden können, dann wären wir sofort drin gewesen. Hiermit sei erneut auf die Penetranz der dort Ansässigen hinzuweisen: ständig wirst du von denen angesprochen und gefragt, ob du nicht vielleicht doch Lust hättest oder ob du nicht vielleicht einen Sonnenschirm kaufen möchtest …
Nach einer ausführlichen Besichtigung ging es auf einen der Gründungshügel Roms: Dem Palatin. Dieser hat eine direkte Verbindung zum Forum Romanum. Bevor man eine solche Tour macht, sollte man sich ein wenig belesen, um was es sich eigentlich handelt. Die Römer sind außerordentlich sparsam, wenn es darum geht, einfach mal ein paar Schilder mit Informationen aufzustellen. Und wenn sie es machen, muss das nicht mal heißen, dass man auch in englischer Sprache schreibt. Die Besichtigung war mit Recht beeindruckend, aber leider wenig lehrreich. Am Ende wusste ich irgendwie nicht mehr als vorher. Man sollte bedenken, dass es sich bei dieser Tour um einen Tagesausflug handelt. Dementsprechend ausgelaugt waren wir auch am Ende des Tages.
Am nächsten Tag wollten wir dann endlich dem Papst die Hand schütteln. Nicht umsonst titeln große Boulevardblätter mit Titeln wie Wir sind Papst. Also machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zum Vatikan. Unverzüglich marschierten wir zum Petersdom und konnten gleich zu Beginn die lustig gekleideten Wachen beaugäpfeln. Der Petersdom ist schon ein monumentales Gebäude. Bedauerlicherweise stellen wir uns zuerst in die Schlange für die Kuppel an, um später zu merken, dass diese 7 € Eintritt kostet und es uns das eigentlich nicht wert ist. Vielleicht haben wir was verpasst – man weiß es nicht so genau. Wie man als Atheist von Kirchen halt so begeistert ist, schlenderten wir durch sie durch, machten hier und da ein paar Fotos und gingen dann auch wieder raus um etwas zu essen. Und irgendwie wurde man das Gefühl nicht los, dass die Kirche verdammt viel Geld haben muss(te), um solche Gebäude zu finanzieren. Und promt stellt man sich die Frage, warum es anderen so schlecht geht. Aber egal – anderes Thema.
Ein anschließender kleiner Blick zur Engelsburg mit folgender Wanderung zum Piazza del Popolo mit der Vorfreude im Genick, gleich den Ferrari Store zu besuchen, waren nun an der Tagesordnung. Und wenn ich schon mal in einem italienischem Ferrari Store bin, habe ich mir gleich ein Poloshirt und eine Kappe geholt – mein persönliches Andenken an den Urlaub. Außerdem war geplant, abends noch zur Spanischen Treppe zu gehen, da dort ein kostenloses Konzert stattfand. Dort waren 4 Opernsänger/innen, eine Tanzgruppe und ein finales Feuerwerk zu sehen – insgesamt ein schönes Spektakel, was Rom anlässlich seiner Touristen aufgeführt hat. Da wir uns nun schon besser auskannten, liefen wir dann gegen 23:00 Uhr zurück in unser Hotel. Laufen war dort jedoch oftmals eine Qual, da man dort wohl noch nie etwas von Asphalt gehört hat. Allerdings muss man als Tourist ja auch die Eigenheiten berücksichtigen – romantischer wurde es dadurch jedenfalls.
Der folgende Samstag galt dann voll und ganz unserer Entspannung. Während unserer Touren haben wir uns oftmals gewünscht, einfach ins kühle Nass zu springen. Dies konnten wir leider nicht; zumindest bis wir am Vortag ein Badeschiff vor der Engelsburg gesichtet hatten. Also holten wir uns für 10 € eine Tageskarte und schmissen uns nach unseren Badeeinheiten auf die Liegen und sonnten uns anständig. Doof nur, wenn man wie ich nicht auf Sonnencreme besteht. Dies durfte ich später bitterlich bereuen. Erholsam war es trotzdem, und eine gesunde grundbräune haben wir so auch bekommen. Danach noch 4 Runden Tischkicker, ein wenig Nahrung fassen sowie schlendern und die Welt war in Ordnung.
Nach dem Kickern hatten wir fest geplant, zu den täglichen Veranstaltungen in die Engelsburg zu gehen. Dort war oftmals angepriesen, dass auf verschiedenen Ebenen diverse Künster auftreten und man sich zusätzlich frei auf dem Areal bewegen kann. Die kulturelle Unterhaltung war diesbezüglich nicht gerade berauschend – aber vielleicht konnten wir es einfach nicht mehr so gut aufnehmen, da unsere Köpfe mit aller Wahrscheinlichkeit einen kleinen Sonnenstich abbekamen. So haben wir uns primär den Geheimgang zum Vatikan, die Gefängnisse und die wunderschöne Aussicht gegönnt. Aber ob das die 13 € Wert war bleibt abzuwarten. Außerdem bleibt zu bemängeln, dass die Römer wieder einmal an Informationsschildern gespart haben. Als wir dann entschieden früher die Burg verließen, besuchten wir noch unterhalb der Engelsbrücke das fast nur musikalisch interpretierte Musical Jesus Christ Superstar, was übrigens auch kostenlos auf einer kleinen Bühne aufgeführt wurde. Um 0:00 Uhr sind wir dann über eine Stunde in Richtung Hotel gelaufen und haben zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich die wahre Schönheit Roms gesehen: Seine Gassen bei Nacht.
Am letzten Tag haben wir dann die restlichen Sehenswürdigkeiten abgegrast: Dazu zählen der Trevibrunnen, das Pantheon, der Piazza Navona und die Villa Borghese. Am Piazza Navona haben wir uns dann einen ital. Eisbächer gekauft, in voller Hoffnung, dieser würde uns sonst was unter den Füßen wegreißen. Leider war der kleine Eisbächer für 10 € eine riesige Enttäuschung. Da wir an diesem Tag auch schon wieder abreisten, entschlossen wir uns dazu, unser Gepäck am Bahnhof abzugeben. Leider gab es ziemlich viel Hektik und Stress, da eine Kartenzahlung dort nicht möglich war und der erstbeste Geldautomat kein Geld ausspucken wollte. Der Airport-Express war diesmal gefühlte 50° C wärmer als bei der Hinfahrt und der Flughafen war obendrein noch überfüllt. Als wir wieder in Berlin Tegel landeten, fehlte auch noch ein Gepäckstück – dies wurde zum Glück einen Tag später nachgeschickt. Insgesamt war es aber ein schöner Urlaub mit vielen Impressionen – wenn auch leider zu kurz.









