Herausforderung soziale Netzwerke.

by Tafelzwerk

Vorhin habe ich auf heise online diesen einen Beitrag über soziale Netzwerke gelesen und kam tatsächlich ins Grübeln, inwiefern soziale Netzwerke eine Herausforderung sind.
Für mich war ein wichtiger Punkt des Artikels der Datenschutz. Politiker machen sich Sorgen, dass Benutzer nicht genug sensibilisiert sind, was das Veröffentlichen von persönlichen Daten im Internet anbelangt. Gut, ab diesem Moment war klar, dass jener Artikel auch mich interessieren sollte. Ich habe ja schließlich eine eigene Homepage und bin selbstverständlich auch in sozialen Netzwerken – und da gebe ich auch recht viel von mir preis.

“Ich lösch trotz neuer AGB den Namen nicht, du paranoider Lemming” – ist der Name einer Gruppe, in der ich im StudiVz bin. Sagt eigentlich viel über meine Einstellung zu diesem Thema aus. Ich persönlich denke, dass soziale Netzwerke dazu da sind, Kontakte zu knüpfen, Menschen kennenzulernen, und private Dinge wie in einer Art Forum auszutauschen. Wer sich freiwillig anmeldet, muss damit rechnen, persönliche Informationen über sich preiszugeben. In meinen Augen sind die Optionen der Sichtbarkein diverser Profile kontraproduktiv für solche Netzwerke.

Wer Angst davor hat, dass falsche Informationen in die Hände falscher Personen gelangen könnten, sollte eine Anmeldung vermeiden oder einfach nur clever genug sein, sich nich persönlich zu entblößen. Eine berechtigte Angst kann man in diesem Zusammenhang vor dem Arbeitgeber haben – aber in meinen Augen ist es einfach nur hinterhältig vom Arbeitsmarkt überhaupt auf die Idee zu kommen, nach Leuten und ihren Geschichten im Internet zu forschen und eventuelle Schwächen zu suchen. Wir sind alle nur Menschen – haben Hobbys, machen Fehler, haben unsere Vorlieben und unsere Tage, an denen wir nicht den Vorstellungen der Masse entsprechen. Arbeitgeber beurteilen nach einem oberflächlichem Profil, wenn sie über soziale Netzwerke nach Informationen jagen. So etwas gehört sich nicht. Kein Wunder, dass viele von Stasi 2.0 sprechen. Eigentlich bezieht sich dieser Vorwurf auf die Regierung – der Arbeitgebermarkt kann sich aber wunderbar dahinter verstecken. Ich will mich in meinem Unternehmen nicht für mich schämen müssen. Nur weil ich diverse Interessen freizeitlich wahrnehme, die der Unternehmensführung nicht entsprechen, muss ich nicht weniger geeignet für die Firma sein. Hier sollte man die Verantwortung den soz. Netzwerken zuteilen. Es sollte beispielsweise ein Verbot für die Benutzung der Inhalte einer solchen Plattform geben. Doch wie kann man Arbeitnehmer davor schützen, nicht doch Opfer von Internetspionage zu werden? Arbeitgeber können die wahren Gründe für eine Kündigung oder Nicht-Anstellung gut verschleiern. An dieser Stelle sollte definitiv etwas für den Arbeitnehmerschutz getan werden, doch was?

Bei der Datenveröffentlichung sollte eine Differenzierung vorgenommen werden. Berichtigterweise hat jeder Mensch den Nachteil, dass er verfolgt werden kann. Und die Informationen sind dann zum Beispiel in sozialen Netzwerken enthalten. Ich spreche hier vom “Stalking”. Aber wie oben schon erwähnt, würde ich clever genug sein, Kontaktdaten, die mich persönlich unverbindlich erreichen, nicht preiszugeben (außer ich werde durch Maßnahmen dazu gezwungen). Diese Felder würde ich bei der Anmeldung bei einem soz. Netzwerk auch nicht als Verpflichtung einführen.
Soziale Netzwerke sollen keine Herausforderung für einen Nutzer werden. Es soll eine freie Plattform darstellen, die es uns ermöglicht, sorgenfrei Interessen und auch private Daten oder Bilder auszutauschen: ohne das wir uns Gedanken um eventuelle Folgen machen müssen. Ich werde auch weiterhin im Internet gewisse Daten von mir preisgeben. Wenn das Konsequenzen für mich haben sollte, dann ist das eben so. Meinen Mund lasse ich mir trotzdem nicht verbieten. Wir leben doch hier in einem freien Land – wie kann es also sein, dass so ein Druck auf Arbeitnehmer ausgeübt wird?

Ein weiterer interessanter Punkt ist für viele sicherlich der Gruppenzwang – die soziale Verpflichtung. Meinen Account bei MySpace habe ich gelöscht, den von SchülerVz auch und den bei Twitter erst recht! Okay, mittlerweile habe ich ihn wieder eröffnet. Meine Anmeldung bei Facebook hingegen hat mir nicht gleich einen Haufen neuer Freunde beschert. Irgendwie sehe ich da keinen Zusammenhang; außer natürlich, man macht sein ganzen Leben vom Internet abhängig. Es schadet sicher nicht, sich irgendwo anzumelden, aber es bringt einen auch nicht weiter. Ich persönlich halte soziale Netzwerke für einen Hype, den sich wahrscheinlich die Illuminaten im Jahre 1852 ausgedacht haben. Ich habe wirklich noch keinen Vorteil daraus ziehen können. Ab und zu dient es der überwindung von Langeweile, wenn ich durch Profile surfen kann und mir dann doch mal ein Profil unter die Nase kommt, dessen Details dann doch nicht versteckt sind.

Mir wäre es deutlich lieber, ich würde mich am Nachmittag mit meinen Kumpels auf dem Bolzplatz treffen und ein paar Runden Seitenschießen spielen. In den Sommerferien der Grundschule gab es Tage, an denen ich von 9:00 – 21:00 Uhr draußen war und einfach nur Fussball gespielt habe. Essen gab es dann über den Balkon. Aber Leute habe ich viele kennen gelernt. Geschadet hat mir das auch nicht. Die Zwischenmenschlichkeit ging dabei auch nicht verloren – mittlerweile wirkt die Welt so plastisch und viele können es kaum abwarten, ICQ anzuschmeißen, und irgendwelche Leute den halben Tag mit Textschnipseln zu bewerfen. Früher habe ich das auch gemacht – aber vielmehr auf die paar gleichen Personen fixiert. Für mich war das damals schon ein Schritt in die falsche Richtung, als ich vom Mailverkehr zu ICQ gewechselt bin. Aber soviel zum Gruppenzwang; irgendwie hat man dann kaum eine andere Wahl. Außer man zieht in den Krieg gegen die neue Technik und holt sein Umfeld wieder zurück auf den Erdboden. Ich bin immer richtig froh, wenn das jemand bei mir macht. Erstaunlicherweise überlebe ich sogar, wenn ich viele Tage kein Internet oder den PC benutze. Warum zwickt sonst oftmals das Gefühl, dass viele andere reihenweise dabei sterben würden?